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Jahresrückblick 2023: Virtuell wird real

Jahresrückblick 2023: Virtuell wird real

Was war 2023 für eine Achterbahn! Es war ein Jahr voller Superlative wie unserem größten Virtual Reality-Webinar und über 800 Teilnehmenden an unseren Fortbildungen. Es war auch ein Jahr voller „erster Male“ wie unserer ersten wissenschaftlichen Studie und dem ersten Treffen des VirtuallyThere-Teams „im echten Leben“. Privat bin ich meine erste Mehrseillänge geklettert und lebe zum ersten Mal mit einem Hund zusammen. Und für VirtuallyThere war 2023 ein Jahr, in dem eine wichtige Entscheidung gefallen ist: Virtual Reality in die psychotherapeutischen Versorgung zu integrieren ist eine große Aufgabe, die sich nur mit vereinten Kräften bewältigen lässt.

Beitragsübersicht

Natürlich habe ich 2023 einige Zeit in virtueller Realität verbracht. Wertvoll waren aber vor allem die persönlichen Begegnungen.

Einsteigen in die Achterbahn

Erstmal gemütlich eingrooven … das war so gar nicht der Tune von 2023! Als regelrechter Achterbahn-Monat gab der Januar einen Vorgeschmack für den Rest des Jahres. Kurz vor Weihnachten 2022 hatten wir noch Verstärkung für VirtuallyThere an Bord geholt. Ein Vertriebler mit mehr als 15 Jahren im Beruf, mit sehr guten Referenzen im Verkauf digitaler Produkte und auch persönlich für das Thema Psychotherapie engagiert. Perfekt, schließlich wollten wir richtig Gas geben! Die Tinte auf dem Arbeitsvertrag war gerade getrocknet, schon saß das gesamte Team für einen Kickoff-Workshop in Esslingen zusammen. In zweieinhalb intensiven Tagen lernten wir uns bei vegetarischem Curry und schwäbischen Ofenschlupfern persönlich kennen und tüftelten im sonnendurchfluteten Wintergarten des A22 Coworking an unserer Vision und Strategie für 2023. Endlich traf ich dabei auch unsere wunderbare Produktmanagerin Kim Gorchs zum ersten Mal „in real life“, ohne die VirtuallyThere schon lange nicht mehr denkbar ist: als digitale Nomadin arbeitet sie mal von Thailand, mal von Mexiko aus an unserer Produktentwicklung und im Kundensupport. Endlich einen Kaffee nicht virtuell zusammen trinken, sondern sich wirklich gegenüber zu sitzen war genauso schön, wie ich es erwartet hatte.
 

Nachdem wir auseinander gegangen waren und hochmotiviert unsere Arbeitsplätze eingenommen hatten konnte es endlich so richtig losgehen! Doch schon nach einigen Tagen merkte ich: die anfangs täglichen Check-ins mit dem neuen Kollegen stockten. Unser Austausch ging nicht voran, sondern drehte sich im Kreis. Etwas passte nicht. Es zeigte sich: Ein junges Unternehmen im Aufbau, Strukturen und Prozesse aufzubauen, die Vision selbst mit Leben zu füllen – in diesem speziellen Umfeld konnte er all‘ seine Stärken nicht richtig auf die Straße bringen. Natürlich hatten wir vorab darüber gesprochen und waren beide zuversichtlich gewesen. Aber die Realität sah einfach anders aus. Nach nur drei Wochen kündigte ich ihm in der Probezeit. Da wir offen miteinander waren trennten wir uns tatsächlich im persönlich besten Einvernehmen – und er fand schnell einen neuen Job.

Zwar war ich froh, dass ich diese Entscheidung so schnell getroffen und umgesetzt hatte. Aber Unterstützung für den Vertrieb hatten wir nun immer noch nicht! Die Stelle nochmals ausschreiben? Wieder Bewerbungsgespräche führen? Ich entschied mich dafür, an anderer Stelle Entlastung zu suchen und als Gründerin und Kopf von VirtuallyThere selbst erste Ansprechpartnerin für unsere Kund:innen zu bleiben. Kurze Zeit später stieß Josefine Traumüller zu uns, die seither unsere Buchhaltung rockt und mir damit einen riesigen Stein von der To Do-Liste nimmt. Zusätzlich erschuf Kim „nebenbei“ für uns ein System für die Kundenverwaltung und Neukundengewinnung, erstellte Verkaufsunterlagen und etablierte funktionierende Prozesse, mit denen wir seither mit Freude arbeiten und uns die Bälle zuspielen.   

Carola und Kim vom Team VirtuallyThere
VirtuallyThere ist ein 100% remote arbeitendes Team. Im Januar haben wir uns endlich "im echten Leben"getroffen - Carola Epple und Kim Gorchs in Esslingen.
Drei Tage haben wir an Strategie und Maßnahmenplanung für 2023 gearbeitet. Und natürlich auch unser Produkt getestet.

Virtual Reality wird real – in Forschung, Praxis und Presse

Im Lauf des Jahres haben wir deutlich gespürt, dass der Einsatz von VR in der Psychotherapie deutlich an Schwung gewinnt. In der Forschung lässt sich beobachten, dass sich Studien immer differenzierteren Aspekten widmen. Dass VR bei Konfrontationen mit Angstpatient:innen genauso wirksam ist wie die das echte Erlebnis „in vivo“ darf inzwischen als belegt gelten: Meta-Studien wie die von Carl et al., 2019 und Wechsler et al., 2019 sprechen da eine deutliche Sprache.

Was aber muss gegeben sein, dass sich Patientinnen mit Magersucht mit einem virtuellen, normalgewichtigen Avatar identifizieren? Erhöht die Konfrontation mit dem „gesunden Zukunfts-Ich“ die Genesungschancen? Für welche Anwendungsbereiche sind 360°-Videos wirksamer, für welche 3D-Animationen? Lassen sich virtuelle Therapie-Szenarien auch in ambulanten Settings bei Depressionen anwenden? Die letztgenannte Frage haben wir in Zusammenarbeit mit dem Team von Frau Professor Rummel-Kluge an der Uniklinik Leipzig untersucht. Die Studie ist hier im internationalen Journal „Frontiers in Psychiatry“ veröffentlicht.  


Die Ergebnisse aus unserer ersten wissenschaftlichen Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

  1. Nahezu alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer empfanden die Handhabung der VR-Brille zuhause als eher oder sehr einfach und waren sehr zufrieden mit der Intervention.
  1. Depressive Symptome verbesserten sich signifikant im vorher/nachher-Vergleich.
  1. Sowohl die physische und psychische Lebensqualität verbesserte sich nach der Intervention signifikant im Vergleich zum Ausgangswert. Das bestätigt frühere Studien: Naturerlebnisse in Virtual Reality fördern Entspannung und verbessern dadurch körperliches und psychisches Wohlbefinden.
  1. Die beliebtesten VR-Videos der Proband:innen waren: ein Spaziergang im Südtiroler Wald, ein Sandstrand in Thailand und unsere kuscheligen Alpakas.
  1. Für mich persönlich die wichtigste Erkenntnis: Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit schweren psychischen Störungen griffen aus eigenem Antrieb auf Virtual Reality zurück – weil die Szenen und das Erleben in VR ihnen guttaten.

Insgesamt zeigt sich: Virtual Reality kann die „klassische“ ambulante Behandlung sinnvoll ergänzen. Denn die Technologie fördert Entspannung und Wohlbefinden – ohne im Krankenhaus- und Therapiealltag zusätzliche personelle Ressourcen in Anspruch zu nehmen.

Diese Erkenntnisse konnten wir dann auch wieder in die Arbeit mit unseren Kundinnen und Kunden übertragen. In unserem Alltag stehen bei uns aber ganz praktische Fragen im Vordergrund: Wie sehe ich denn, was meine Patienten sehen? Wie kann ich sie in VR begleiten und das immersive Erleben noch steigern? Oder auch: Wie erhöhe ich die Lautstärke an der VR-Brille?

Diese Praxiserfahrung ist Pionierarbeit – das wird mir im Austausch mit Forschenden, Journalist:innen und Gesundheitsexpert:innen immer wieder deutlich. Wir sind in einem Bereich unterwegs, in dem es noch keine breite Erfahrungsbasis gibt. Wir unterstützen Psychotherapeut:innen dabei, die (praktischen) Grenzen bewährter Methoden zu überwinden. Es mag erst einmal überraschen, dass es eher nicht die jüngeren Berufsanfänger:innen sind, die zur VR-Brille greifen: Tatsächlich sehen wir bei VirtuallyThere überwiegend erfahrene Psychotherapeut:innen, die sich mit einer inhaltlich getriebenen Motivation mit VR beschäftigen: Sie erleben im Lauf ihrer Tätigkeit, dass bewährte Methoden auch an Grenzen stoßen. Mit Virtual Reality suchen sie ein Hilfsmittel, um ihre Patient:innen auf dem Weg zum Therapieziel gezielter zu unterstützen.  

Die Probanden unserer Studie in Zusammenarbeit mit der Uniklinik Leipzig bekamen für vier Wochen eine VR-Brille zur Verfügung gestellt. Darauf waren entspannende Umgebungen wie ein Strandspaziergang oder eine Alpaka-Herde verfügbar.

Vor mehr als drei Jahren habe ich die Lab E GmbH gegründet, in der gerade einsetzenden Pandemie. Damals wie heue bin ich davon überzeugt, dass Virtual Reality ein selbstverständlicher Teil der psychotherapeutischen Versorgung werden wird. Und das ist nicht die Zukunft, das ist jetzt schon die Gegenwart. Allerdings verläuft diese Entwicklung viel langsamer, als es ich es mir in meiner Begeisterung und Ungeduld wünsche.


Umso schöner war es zu sehen, wie das Interesse an unseren Erfahrungswerten spürbar gestiegen ist:

  • Von der Presse: Bereits im Herbst 2022 hatten zwei Journalistinnen mich zum Einsatz von Virtual Reality in der Psychotherapie und zu unserer Arbeit interviewt. Im Februar erschien ein Artikel zu unserer Arbeit im „Stern“ und ein Bericht in der „Welt am Sonntag“.

  • Von der Wissenschaft: Im März habe ich einen Vortrag für die Mitglieder der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe „Virtuelle Realität in der Essstörungsforschung“ gehalten. Beim Deutschen Psychotherapie-Kongress durfte ich unsere Learnings in Rahmen einer Panel-Diskussion teilen.

  • Von Verbänden: Die Landesgruppenverbände Berlin und Baden-Württemberg der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie fragten mich als Referentin für ihre Landesgruppentreffen zum Thema Virtual Reality an – das waren großartige Veranstaltungen, in denen ich viel Offenheit und Begeisterung für neue technologische Möglichkeiten gespürt habe.
Im Februar veröffentlichte der Stern einen Artikel über Virtual Reality in der Psychotherapie. Journalistin Jessica Benjatschek hatte unsere VR-Anwendung dafür eigens getestet.

VR in die psychotherapeutische Praxis bringen heißt fortbilden

VR in der Psychotherapie einzusetzen ist ein Thema, mit dem meisten Psychotherapeut:innen aus Studium, Aus- und Weiterbildung noch nicht vertraut sind – das merken wir im täglichen Austausch mit unseren Kundinnen und Kunden, bei Beratungsgesprächen und E-Mail-Anfragen. Zwar sind unsere Fortbildungen schon seit 2020 bei unserer Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg für Fortbildungspunkte akkreditiert.  2023 haben wir dann aber kurzerhand ein komplettes Fortbildungsprogramm aufgebaut, das Psychotherapeut:innen alle Aspekte der Arbeit mit VR vermittelt: vom ersten Kontakt mit dem Thema über den fundierten Einstieg bis in die Feinheiten der täglichen Anwendung. Federführend dabei war und ist unserer Fortbildungs-Leiterin Dr. Simone Behrens, die darüber hinaus am Universitätsklinikum Tübingen tätig ist.


Unser Fortbildungsprogramm gliedert sich in drei Teile, die aufeinander aufbauen:

  • In unseren Starter-Webinaren zeigen wir anhand von Fallbeispielen die Anwendungsmöglichkeiten und demonstrieren, wie die VR-Brille im Praxisalltag zum Einsatz kommt. Je nach Format können die Teilnehmenden auch direkt selbst eine VR-Brille testen.

  • Der halbtägige Starter-Kurs ist für Psychotherapeut:innen konzipiert, die in die Arbeit mit VR starten möchten: gemeinsam nehmen wir die VR-Brillen in die Hand, erkunden Schritt für Schritt die virtuellen Therapieszenarien und vermitteln alle technischen und therapie-praktischen Grundlagen.

  • Nachdem die Therapeut:innen Sicherheit im Umgang mit der Technik gewonnen habenentsteht nach und nach Bedarf nach Austausch und therapie-praktischer Anregung: unsere VR-Reflexionen funktionieren wie eine „VR-Intervisionsgruppe“. Kolleginnen und Kollegen stellen Fälle aus ihrer eigenen Praxis vor, bei denen sie Virtual Reality eingesetzt haben oder einsetzen möchten. Gemeinsam diskutieren wir, wie virtuelle Therapieszenarien in bestimmten Fällen wie Autofahr-Angst oder Anwendungsbereichen wie der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie oder Suchterkrankungen bestmöglich unterstützen können.


Bei hunderten Teilnehmenden im Jahr wiederholen sich die Themen für mich unvermeidlich – langweilig wird es ganz ehrlich trotzdem nie. Oft sagen Teilnehmende anfangs von sich, dass sie „kein Händchen für Technik“ haben – und starten nach dem gemeinsamen Vormittag dann doch zuversichtlich in die Arbeit mit VR. Auch in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT), der Deutschen Psychologen Akademie und dem Beltz-Verlag haben wir 2023 spezialisierte Veranstaltungen zum Thema Virtual Reality umgesetzt. Für das kommende Jahr planen wir neue Themen, Anwendungsbereiche und Formate: Unser Fortbildungsprogramm für 2024 findet sich in Kürze hier. Über unseren Newsletter informieren wir ebenfalls über aktuelle Webinare und Fortbildungen (hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung).

Dr. Simone Behrens und Carola Epple begrüßen die Teilnehmenden des Virtual Reality-Webinars am 12. November - mit 335 Anmeldungen das größte, das wir bei VirtuallyThere bisher veranstaltet haben.

It needs a village to change the world

Im Januar hatte ich meinem Jahr 2023 ein Motto gegeben: Building relationships.
Im Rückblick spielten viel mehr Beziehungsebenen eine Rolle, als ich das ursprünglich im Kopf hatte.


Anfang Mai war ich auf einigen Netzwerk-Veranstaltungen und Messen in Berlin unterwegs, auf denen ich mich mit Gesundheitsexpert:innen, Gründern und Unternehmerinnen austauschen konnte. Ich sprach mit renommierten Koryphäen, die mit Leidenschaft und hohem Arbeits- und finanziellem Einsatz echte Impact-Unternehmen aufgebaut hatten – und deren Gehalt nicht für die Altersvorsorge reicht. Ich tauchte in die Welt der Gesundheitspolitik und -regularien ein, holte mir professionellen Rat und Ideen für unsere nächsten Schritte. Ich traf auf Enthusiasmus, das Gesundheitssystem zum Besseren zu verändern, und auf Enttäuschung und Frust, wenn die Finanzierung, behördliche Regelungen, Krankenkassen oder die technische Entwicklung nicht mit der Vision mithalten konnten.


Dabei wurde mir klar: Wenn wir es wirklich ernst meinen, dann ist die Aufgabe, Psychotherapie mit Virtual Reality zu ergänzen zu groß. Zu groß für uns als noch kleines Unternehmen. Es ist eine produkttechnische, finanzielle, gesundheitspolitische und gesellschaftliche Aufgabe. Und wir meinen es ernst! Wir wollen langfristig einen zukunftsfähigen Service für Praxen und Kliniken bieten und damit einen Beitrag leisten, die psychotherapeutische Versorgung zu verbessern. Wir wollen dazu beitragen, Millionen Menschen zu helfen, ihre Angst einfacher und schneller zu überwinden, um ihr Leben und ihre Freiheit zurückzubekommen.


Als hätte das Universum zugehört, entwickelten sich aus verschiedenen Richtungen Gespräche. Ich kam mit Unternehmen in Kontakt, die Interesse an einer Partnerschaft bekundeten. Und ja, je mehr ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde es mir: Wir müssen eine Partnerschaft schließen, um auf mehr Ebenen etwas zu bewirken. Das sind wir auch unseren Kunden schuldig, die uns von Anfang an so viel Vertrauen geschenkt haben. Ab Juni stürzte ich mich in Recherchen, Gespräche und Analysen. Schnell entwickelten sich ernsthafte Verhandlungen, auf Online-Meetings folgten Flugreisen für persönliche Treffen. Vision für eine gemeinsame Zukunft, Enttäuschungen, ein Angebot und neue Anläufe – aus Vertraulichkeits- und anderen Gründen müssen weitere Einzelheiten ungenannt bleiben. Die Entscheidung für diese Art von Partnerschaft mit allen Konsequenzen bedeutete für mich auch: Abschied nehmen von dem Weg, den wir bisher gegangen waren.


In schweren Momenten hatte ich das  Gefühl, es allein nicht geschafft zu haben.  Aber die Entscheidung war für mich schnell vollkommen klar und ich habe sie seither keine Sekunde angezweifelt. Die Entscheidung für einen neuen Weg, den ich so nicht geplant hatte. Und sie nicht nur brachte neue Klarheit, sondern auch neue Verbindungen, festigte alte Freundschaften und Partnerschaften mit Menschen, die fest an unserer Seite stehen und uns auch in schwierigen Zeiten unterstützen.

Frühstücks-Ei auf meiner Berlin-Reise im Mai - müde, aber auch irgendwie auch zuversichtlich haben wir uns früh im Hotel angeschaut.

Mehrmals war ich in dieser Zeit kurz davor, alles hinzuwerfen. Die Sommermonate waren eine Achterbahn aus Hoffnung, Ärger,  Klarheit, Enttäuschung, Bestimmtheit und Zuversicht. Ich spürte die Vielzahl und Vielfalt meiner unternehmerischen Aufgaben. Die Doppelbelastung, neben dem „normalen“ Alltagsgeschäft neue Perspektiven zu schaffen – wobei das Alltägliche in einem dynamischen Markt natürlich auch keine Routine ist. Ist es denn gut, das eigene Unternehmen so persönlich zu nehmen, fragte ich mich? „Solche Entscheidungen sind schwer und da dürfen auch Tränen fließen“, bestätigte mich ein erfahrener Unternehmer und langjähriger Freund. Ich denke inzwischen: Es ist nicht nur gut, sondern selbstverständlich, als Gründer:in das eigene Unternehmen persönlich zu nehmen – schließlich investiere ich nicht nur Geld, sondern Leidenschaft, meine besten Ideen und allen Mut, eine Vision zum Leben zu bringen. Diese Gefühle dürfen – und müssen sogar! – bei aller Relevanz von Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung im unternehmerischen Alltag und bei strategischen Entscheidungen ihren Platz finden. Eine strategische Richtung kann noch so folgerichtig und durchdacht sein: Wenn dem Gründer die Zuversicht, Kraft oder der Mut fehlen, oder wenn eine Entscheidung den Werten der Geschäftsführerin widerspricht, dann werden das Team und das Unternehmen nicht mit voller Kraft unterwegs sein.


Deshalb haben wir uns in diesem Jahr nochmals Zeit dafür genommen, unsere Mission, Vision und unser Leitbild, unseren Purpose, zu schärfen:


Mission: Was wir tun
Mit alltagstauglichen Virtual Reality-Lösungen unterstützen wir Psychotherapeut:innen dabei, die ihre bewährten Methoden noch wirksamer umzusetzen und praktische Barrieren zu überwinden.


Vision: Wo wollen wir hin
VirtuallyThere ermöglicht schnell und einfach Therapiefortschritt, wenn bewährte Methoden an Grenzen kommen, und bringt neue Hoffnung, Spaß und Leichtigkeit in die Psychotherapie.


Purpose: Warum es uns gibt
Wir bringen Menschen schneller und einfacher dorthin, wo sie Anspannung lösen, Ängste überwinden und ihre persönliche Freiheit wieder erlangen.

Jeden Morgen bringe ich unsere Kleine zur Kita: Sie radelt, ich laufe. Ob ich mit den wadenlangen Socken modisch vorne dran bin? Auf jeden Fall friere ich nicht.

Mit Mode-Trends habe ich es ehrlicherweise nicht so. Was eine Paperbag-Hose ist und ob wadenlange Socken für Sportler noch in sind oder schon passé – da muss ich im Zweifelsfall die Modeexpertin meines Vertrauens fragen (dieselbe, der ich vor Veranstaltungen mehrere Selfies mit Outfit-Varianten zur Auswahl schicke). Mode muss für mich, genau wie Technik, in einen Zusammenhang passen, für einen bestimmten Zweck und eine Entwicklung sinnvoll sein. Deshalb jagen wir bei VirtuallyThere nicht dem letzten technischen Schrei hinterher, sondern fragen immer: Wie kann Technik unserem Ziel dienen? Wie muss eine VR-Anwendung konzipiert sein, um Psychotherapeut:innen im Alltag wirklich zu unterstützen?


Unsere Antwort darauf ist „VR to go“:

Ein Paket aus Virtual Reality-App mit einem Streaming-Service für unsere virtuellen Therapieszenarien, ein Fortbildungsprogramm und die passende Hardware. Wie in der Mode auch gibt es dazu natürlich nicht nur eine Meinung. Drei Jahre lang haben wir dieses Angebot immer weiter an die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden angepasst. Inzwischen erhalten wir auch Rückmeldung von renommierten Professoren wie Martin Hautzinger, Geschäftsführer der Tübinger Akademie für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, der persönlich eines unserer Webinare besucht hat und uns auf unserem Weg bestätigt.


Doch ohne wichtige persönliche Beziehungen wäre 2023 kein Schritt dieses Weges möglich gewesen. Im Team von VirtuallyThere arbeiten wir 100% remote zusammen – und doch ist die Energie, das Gemeinsame so oft spürbar, wenn wir gemeinsam Kunden unterstützen oder an Angeboten, Prozessen und Texten feilen. Oft waren der nächste Schritt, der nächste Monat im Jahr 2023 ungewiss, ein anderes Mal haben wir Richtung und Pläne ändern müssen. Und doch habe ich immer die Zuversicht gespürt, dass wir gemeinsam weiter voran gehen. Mit und ohne Worte, unser Zusammenhalt war immer da.


Unendlich wertvoll ist die Verbindung zu unseren Kunden und das Vertrauen, das sie uns entgegenbringen. In einem Markt, der immer noch als Pionier-Bereich gilt, sind wir für Erfahrungsberichte, wertschätzende Kritik aber auch mehrjährige Verträge dankbar. Gemeinsam mit der Angstambulanz der Uniklinik Frankfurt dürfen wir inzwischen vier bedeutende deutsche Universitäten zu unseren Kunden zählen: das Universitätsklinikum Tübingen, die Humboldt-Uni zu Berlin und die Ruhr-Universität Bochum.


Auf der Achterbahn-Fahrt, des Jahres 2023 blieb die wichtigste Herausforderung: Wie die Orientierung behalten und Kraft tanken? Der Schlüssel dazu war wichtigste Beziehungen von allen: meine Familie mit unseren alltäglichen und nicht-alltäglichen Abenteuern. 

Jeden Morgen 15 bis 20 Minuten Yoga - das ist 2023 für mich eine Routine geworden. Ob im Urlaub, auf Geschäftsreise oder wenn die Nacht kurz war. Hinterher fühlt es sich immer besser an.

Kraft am Fels

Noch vor einem Jahr hatte ich weder den Gedanken daran noch den Wunsch danach: Doch 2023 wurden das gemeinsame Felsklettern auf Sizilien, in den Dolomiten und Slowenien unsere schönste und erfüllendste Zeit, die wir bisher als Familie verbracht haben. Morgens das Wetter und die Routen checken, dann Exen, Seil, Helme und ein Vesper einpacken. Den Zustieg zum Fels halten wir mit Rücksicht auf kurze Beine unter einer halben Stunde, überqueren dabei aber auch mal einen Bach oder suchen Zuflucht vor einem Gewitter. Am Fels feuern uns gegenseitig an, sind abwechselnd voll konzentriert und ganz entspannt, genießen die Sonne und den Blick auf Berge und/oder Meer. Wir lernen inspirierende Menschen kennen und unsere beiden Mädels verdienen sich oft schnell den Respekt der erwachsenen Kletterer bis hin zum Szenen-Applaus, wenn eine besonders schwierige Route geschafft ist.

Einer meiner schönsten Momente 2023 war, als wir vier auf dem Torre di Mezzo stehen, einem der Felstürme der berühmten Cinque Torri-Formation in Cortina D’Ampezzo in den Dolomiten. Gemeinsam mit unseren beiden großartigen Guides Nico und Zorro hatten wir dort unsere erste Mehrseillänge geschafft – die Mischung aus Hochgefühl und Respekt, die pure Freude über den Moment, dort oben auf die Bergwelt zu schauen war unbeschreiblich.

Aufstieg auf den Torre di Mezzo mit Guide Nico - unsere erste Mehrseillänge.

Nach unserem ersten Sizilien-Urlaub in den Pfingstferien hatten wir aus lauter Begeisterung direkt Flüge für die Herbstferien gebucht. Auch wenn es mir zeitlich (wieder mal) überhaupt nicht ins Programm passte verbrachten wir eine weitere wunderschöne Woche auf der Insel. Wir vier lieben den griffigen sizilianischen Fels und genossen das helle Herbst-Licht, die flammend-roten Sonnenaufgänge und das cremige Eis bei Michele in San Vito Lo Capo.

Bis dahin hatten mein Mann und ich immer gesagt: „Wir beide sind Läufer, keine Kletterer, wir folgen nur unseren Kindern.“ Auch wenn wir erst ein paar Routen im Vorstieg unter dem Klettergurt haben und keine hohen Schwierigkeitsgrade klettern, muss ich jetzt sagen: Das stimmt so nicht 😊

Auf Sizilien in San Vito Lo Capo bin ich eine meiner ersten Routen im Vorstieg am Fels geklettert.
Gemeinsam unterwegs zum Kletterspot des Tages.
Abendlicht an der Küste von San Vito Lo Capo.
Frühschicht im Sizilien-Urlaub - was für ein Sonnenaufgang!

Wir bekommen Familienzuwachs

Seit zwei Jahren haben wir uns in der Familie mit dem Gedanken beschäftigt, einen Hund bei uns aufzunehmen. Im Tierheim hatte ich schon eine Gassigeher-Schulung gemacht, wir führten immer wieder Hunde aus und ich nutzte jede Gelegenheit zum Austausch mit Hundehaltern. Lustigerweise haben auch viele der Kund:innen, mit denen ich persönlichen Kontakt pflege, einen felligen Vierbeiner und ich konnte mir gute Tipps abholen.

Die Entscheidung fiel schließlich schneller als geplant und die Initiative ging ausgerechnet von dem Familienmitglied aus, das sich den Hund am wenigsten gewünscht hatte. Im September zog Mischlingsrüde Scotty aus dem Tierheim Reutlingen bei uns ein – ein fröhlicher und aktiver Junghund mit unbekannter Vorgeschichte. Allmählich sehen wir, dass Scotty wirklich perfekt in unsere Familie passt: Genau wie wir liebt er die Gesellschaft anderer Menschen und Hunde, kommt aber auch wunderbar zur Ruhe und holt sich seine Streicheleinheiten ab.

Morgens begleitet er jetzt die Kleine und mich zur Kita, wo sich die Erzieherinnen und Kids schon auf ihn freuen. Seitdem der Weg am Neckarufer wegen einer Baustelle gesperrt ist, haben wir unseren Rückweg auf den Weinberg verlegt: Von Mettingen aus geht es jeden Tag über schmale Treppen-Etagen über vier Ebenen geradeaus hinauf (die Achillessehne lässt grüßen!). Die Aussicht über Esslingen wird nie langweilig – ob das Tal im Morgennebel liegt, die Lichter der Stadt und des Weihnachtsmarktes glitzern oder die Sonne auf den Neckar scheint oder wir am Wochenende die zartrosa oder flammend rot aufgehen sehen. Ich habe die Esslinger Weinberge schon immer gemocht – mit Scotty gibt es einen Grund, jeden Tag dort zu sein. Inzwischen kann ich Scotty dort auch freilaufen lassen und wir joggen beide in unserem Tempo und schauen gemeinsam in die Weite.

Seit September begleitet mich Mischlingsrüde Scotty täglich auf der Esslinger Weinberg-Runde. Wahrscheinlich denkt er dort oben, die Welt gehört nur ihm - und tatsächlich sind wir früh meistens ganz für uns.
Angekommen im neuen Zuhause.

Meine 3 liebsten eigenen Blogartikel 2023

  • 3 Virtual Reality-Trends in der Psychotherapie 2023 – Hinter den Kulissen der VR-Reflexionen von VirtuallyThere: In unseren Reflexionen tauschen sich Psychotherapeut:innen zur Arbeit mit VR-Brille aus. In diesem Blogartikel habe ich die wichtigsten Erfahrungswerte und die besten Tipps unserer User:innen zusammengefasst.

  • Der VR-Effekt: „50 Jahre Angst vor Gewittern“
    Dieser Fallbericht stammt von der psychiatrischen Ambulanz der Humboldt-Uni zu Berlin. Er zeigt besonders eindrucksvoll, wie eine virtuelle Konfrontation es der Patientin ermöglicht hat jahrzehntelang verankerte Ängste zu überwinden.

  • Der VR-Effekt: „Entwicklungsrückstände bei 11-jährigem Mädchen in Pflegefamilie“: Diese junge Patientin leidet am fetalen Alkoholsyndrom, hat dadurch Schwierigkeiten im Alltag die auch zu vielfältigen Ängsten führen, unter anderem vor Tieren. Schöne Erlebnisse mit der Pflegefamilie werden dadurch immer mehr erschwert. Das Fallbeispiel zeigt sehr schön, welche wichtige Rolle VR therapiebegleitend spielen kann.

Für die Patientin im Fallbericht "50 Jahre Angst vor Gewitter" kamen diese Gewitter-Szenarien aus der VirtuallyThere-Mediathek zum Einsatz.

2023 in Zahlen

  • 21 Virtual Reality-Fortbildungen haben wir von VirtuallyThere 2023 für Psychotherapeut:innen gegeben und insgesamt 827 Teilnahmebescheinigungen ausgestellt

  • Mit 335 Anmeldungen war unser Webinar am 12. November das größte, das wir veranstaltet haben: 73 Fragen haben Simone Behrens und ich im Anschluss an unseren Vortrag live beantwortet.

  • 487 virtuelle Therapieszenarien bietet die VirtuallyThere-Mediathek inzwischen.

  • 1.610 km bin ich bisher in diesem Jahr gelaufen – das sind zumindest die, die meine Garmin-Uhr aufgezeichnet hat. Wenn ich die Leine in der Hand habe oder mich an der Ampel auf die Kleine konzentriere kann ich nicht immer im Blick haben, ob die Uhr noch Pause macht. Fast verdoppelt hat sich meine Kilometer-Leistung ab September, als Scotty bei uns eingezogen ist.

Was 2023 sonst noch los war

Die VirtuallyThere-App ist als Streaming-Service konzipiert. 2023 haben wir eine Download-Funktion eingeführt: So lassen sich einzelne Szenarien auch unabhängig vom WLAN nutzen.
Nach zwei Jahren schon Tradition: Team VirtuallyThere bastelt gemeinsa-remote Lebkuchen-Häuser.

Ziele für 2024

Was werde ich, was werden wir bei VirtuallyThere 2024 anders machen? Für eine große unternehmerische Aufgabe braucht es vielfältige, ganz spezialisierte Kompetenzen und Ressourcen. Darauf und auf und ein unternehmerisches Netzwerk und Austausch werden wir 2024 unseren Fokus legen – mit strategischer Planung und dem richtigen Gefühl für das gemeinsame Ziel.

Besuchen Sie unser kostenloses Webinar

In dieser 1-stündigen Online-Fortbildung zeigen wir Ihnen, wie Sie mit virtuellen Therapie-Szenarien Erfolgserlebnisse in die Therapiestunde bringen (inklusive Unterlagen zum Download).

Webinar on demand VR in der Psychotherapie

Virtual Reality zum Einlesen mit dem VR Starter Guide!