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Der VR-Effekt: Motivationsschub mit Virtual Reality für jungen Patient mit hoher Therapiefrustration

Ein junger Patient verfügte bereits über jahrelange Therapie-Erfahrung und war über die Ergebnisse zunehmend frustriert. Im Alltag ist er – unter anderem – fest entschlossen, nie wieder Aufzug zu fahren, was zu familiären Konflikten führt.

Lesen Sie in diesem Interview, warum die Entscheidung auf Virtual Reality als entscheidendes Therapieinstrument fiel und welchen Einfluss dies auf den Therapieverlauf hatte.

Beitragsübersicht

In unserer Reihe “Der VR-Effekt” stellen wir Ihnen anonymisierte Fallbeispiele aus der psychotherapeutischen Praxis in Interviewform vor. So erhalten Sie einen Einblick, wie genau virtuelle Therapieszenarien bewährte Methoden der Psychotherapie unterstützen können.

Wo und mit welchen Schwerpunkten sind Sie therapeutisch tätig?

“Ich bin als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin angestellt.”

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In dieser 1-stündigen Online-Fortbildung zeigen wir Ihnen, wie Sie mit virtuellen Therapie-Szenarien Erfolgserlebnisse in die Therapiestunde bringen (inklusive Unterlagen zum Download).

Webinar on demand VR in der Psychotherapie

Wie war die Ausgangssituation bei Ihrem:Ihrer Patient:in, von dem Sie hier berichten?

“Der Patient, der von klein auf in verschiedensten Therapiesettings angebunden ist, zeigt seit jeher diverse Symptomatik, Somatisierungstendenz, Ängste, soziale Schwierigkeiten; Verdacht auf Autismus, der aber bisher nie bestätigt wurde. Er und seine Familie hatten im Verlauf viele Frustrationserlebnisse im Zusammenhang mit den Therapien, da sie nie eine schlüssige Erklärung für die Symptomatik bekommen haben und keine positive Veränderung erlebten. Die intrinsische Motivation des Patienten, erneut eine Therapie zu starten, war daher recht gering; dennoch sein Leidensdruck ausreichend.”

Warum haben Sie Virtual Reality als Behandlungstool gewählt? Was wäre die Alternative gewesen und wieso haben Sie sich nicht für die Alternative entschieden?

“Der Patient hat Angst, Aufzug zu fahren und ist ziemlich eingefahren bzgl. seiner Überzeugungen. Bereits vor Jahren hat er den Entschluss gefasst, dass er nie wieder in einen Aufzug steigt. Normalerweise bereitet ihm und seiner Familie das im Alltag keine allzu großen Schwierigkeiten; vereinzelt aber schon, wenn z.B. in Ausnahmesituationen weite Strecken über das Treppenhaus zurück gelegt werden müssen oder es keine Alternative zum Aufzug gibt. Alternativ zur Exposition mit der Brille hätte ich in vivo mit ihm Aufzug fahren können, dazu war er jedoch auch mithilfe einer Psychotherapie, die er bereits seit Juli bei mir wahrnimmt, nicht zu bewegen. Er selbst hat eigentlich keinen Leidensdruck bzgl. dem Aufzug fahren, die Familie jedoch schon; daher war seine intrinsische Behandlungsmotivation sehr gering. Mithilfe der VR-Brille war er zu motivieren sich dieser Thematik zu stellen. Imaginative Expo im Therapieraum war zuvor auch nicht wirklich möglich gewesen, da er dafür zu rationale Denkstrukturen hat.”

Wie sind Sie in der Verwendung von VR genau vorgegangen (Vorbereitung, Verwendung, Nachbereitung) und was waren die Ergebnisse für den Patienten & Sie?

“Vor der Stunde, in welcher ich die Expo durchführen wollte, habe ich dem Patienten erklärt, dass ich in der nächsten Stunde die Expo mithilfe der VR-Brille mit ihm durchführen möchte, und seine Motivation/sein Einverständnis dazu eingeholt und Rückfragen geklärt. In früheren Elterngesprächen hatte ich bereits das Einverständnis der Eltern für dieses Therapietool eingeholt. In der Stunde selbst wollte der Patient direkt anfangen, das haben wir auch, nachdem ich kurz abgeklopft hatte, ob akute Belastungen vorliegen, die gegen die Expo in der heutigen Stunde sprechen. Die gesundheitliche Verträglichkeit der Brille hatte ich auch schon vorab mit den Eltern abgeklärt; der Junge hatte bereits vorab eine Brille für andere Zwecke genutzt und keine Beschwerden. 

 

Ich machte den Patienten zunächst mit den technischen Gegebenheiten vertraut. Dann ließ ich ihn selbst eine Entspannungsübung wählen, zum Kennenlernen, er entschied sich für den Waldspaziergang. Danach machten wir eine kurze Pause, damit er die Übung reflektieren konnte, und bestätigte mir, dass er bereit sei, für die Expo. Er schilderte, dass er gerade die Annäherung an das Gebäude und den Aufzug von außen als sehr positiv erlebte. Wir wiederholten das Video so lange, bis er dadurch nicht mehr in eine Anspannung geriet, die auf einer Skala von 0-10 höher als 6 war.

 

Am Ende der Stunde durfte er sich noch ein Video seiner Wahl aussuchen, er wählte den Sprungturm und war begeistert.”

Was hat sich für Sie in der Arbeit mit Virtual Reality besonders bewährt?

Bei diesem Patienten ist mir kein anderes Therapietool eingefallen, mit dem ich ihn motiviert bekommen hätte, sich bzgl. Thematik Aufzug fahren zu exponieren. Man kann das Tool zeitgleich mit Expo und Belohnung (Entspannungsübung o.ä.) konditionieren, das ist für viele verschiedene Aspekte sehr positiv. Man kann ohne großen Aufwand diverse Expos machen und benötigt dafür keine Doppeltherapiestunde.”

Wozu nutzen Sie die VR-Brille vor allem? Was hat sich dadurch für Sie verändert? ​

“Bisher nur zur Exposition bei Ängsten und zur Entspannung. Die Expos sind viel leichter durchzuführen und die Jugendlichen Patienten finden Entspannung nicht weiterhin völlig langweilig, wie bisher mithilfe Fantasiereisen oder PMR o.Ä.”

Konkret: Welche Videos nutzen Sie am Meisten?

“Hier: Aufzug”

Was würden Sie einem:einer Kolleg:in sagen, der:die sich für Virtual Reality interessiert?

“Es ist auf jeden Fall sinnvoll, sich damit auseinanderzusetzen, da es eine sehr wertvolle Bereicherung für den Therapiealltag sein kann. Wichtig ist auf jeden Fall abzufragen, ob Seekrankheit/cyber sickness vorliegt. Wenn VR in der Therapie eingesetzt wird, finde ich es sehr wichtig, dass man es nicht zu viel nutzt, damit der Fokus dennoch auf positiver Beziehungserfahrung liegt oder man den Patienten durchgängig mit seiner stimme durch die Expos begleitet oder ihm die Aufgabe gibt, sehr viel im Kontakt zu bleiben und zu schildern, was er erlebt.”

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